Fische sind in Aquarien diversen Einflüssen ausgesetzt. Diese können durch die Bedingungen im Aquarium verursacht werden, aber auch von außerhalb auf die Fische einwirken. Lösen diese Einflüsse Stress aus, nennt man sie Stressfaktoren.

In dieser Studie an Zebrafischen (Danio rerio) wurden als mögliche Stressfaktoren die Besatzdichte, die Beleuchtung der Aquarien, die Futtermenge oder das Klopfen an die Scheiben untersucht. Dabei interessierte, ob diese Faktoren einen Einfluss haben auf das Verhalten (Stress- und Aggressionsverhalten), die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol ins Aquarienwasser und die Menge von verschiedenen Hitzeschockproteinen (HSP) in der Muskulatur haben. Hitzeschockproteine sind spezielle Proteine, die vermehrt in Stresssituationen gebildet werden. Die vier potentiellen Stressfaktoren wurden systematisch variiert und die Reaktionen der Fische in den verschiedenen Bedingungen miteinander verglichen.

Wider Erwarten hatten weder höhere Dichten, noch die unterschiedliche Beleuchtung, noch das Klopfen an die Scheibe einen Einfluss auf die gemessenen Größen. Allerdings wurden unter der Bedingung mit dem intensivsten Klopfen teilweise erhöhte Mengen einer Sorte der Hitzeschockproteine nachgewiesen. Der Futterentzug hatte mit zunehmender Dauer zwar eine vermehrte Produktion von Hitzeschockproteinen zur Folge, interessanterweise jedoch auch einen Rückgang der Cortisolmenge im Wasser.

Die Untersuchungen dienten auch dazu, die verwendeten Methoden zu überprüfen. Die Haltung der Zebrafische in Gruppen ist zwar für die gruppenlebenden Fische natürlicher. Da die Individuen nicht unterschieden wurden, konnten außer zu den Hitzeschockproteinen keine individuellen Resultate generiert werden. Dadurch gehen Information verloren, umso mehr als teilweise die Reaktionen der Fische sehr variabel waren. Möglicherweise wurden durch die angewendete Direktbeobachtung auch subtilere Verhalten verpasst.

Es zeigte sich, dass die Cortisol-Messung via Wasser auch bei kleinen Fischen wie Zebrafische möglich ist.

Die Resultate durch HSP-Messungen sind nach Meinung der Autoren mit Vorsicht zu genießen, da auf diesem Gebiet immer noch viele Unklarheiten herrschen. Es lohne sich aber, die weitere Entwicklung der Methode zu verfolgen.

Die Autoren vermuten, dass verschiedene Faktoren einen Einfluss auf die Ergebnisse hatten. Sehr häufig werden Experimente mit Einzeltieren gemacht, was aber nicht der natürlichen sozialen Umgebung der Zebrafische entspricht. Tiere reagieren unterschiedlich, wenn sie einzeln oder in Gruppen gehalten werden. In dieser Studie wurden die Zebrafische in Gruppen getestet, was aber wahrscheinlich dazu führte, dass soziale Faktoren einwirkten. Zudem wurde das Geschlechterverhältnis nicht kontrolliert. Es wurde mit sechs Tieren pro Gruppe eine eher kleine Gruppengröße gewählt, so dass es kaum zur Schwarmbildung kam.

In Gruppen bestehen des Weiteren Dominanzbeziehungen. Rangniedere Tiere können durch ranghöhere Tiere gestresst sein. Die Aquarien waren nicht mit Strukturen angereichert, damit die Fische einfacher beobachtet werden konnten. Man weiß aber aus anderen Studien, dass eine strukturierte Umgebung einen Einfluss auf Aggressivität haben kann.

Alle diese Aspekte haben möglicherweise dazu geführt, dass es große Unterschiede im Verhalten und Reaktion der Individuen auf die verschiedenen Bedingungen gab und daher ein wenig einheitliches Bild.

Autoren: D. Gronquist & J.A. Berges

Originalartikel: (LINK)

Analyse von Stress auf unterschiedlichen Ebenen (2013)
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